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Die dunklen Seiten der Schwarzarbeit

Freitag 15 Uhr mitten in Deutschland. In der kleinen Neubausiedlung am Rande der Stadt herrscht ein reges Kommen und Gehen. Ein ganz normales Wochenende bricht an. Da kreischt die Säge, der Betonmischer kreist, es wird gebohrt, gehämmert und geschliffen. Denn alles, was Beine und zwei gesunde Hände hat, lässt jetzt die Muskeln spielen. Bauherren und -frauen sind stolz auf ihre Muskelhypothek und mit ihnen gleich eine ganze Schar „gut bekannter“ Handwerker aller Couleur. Wer will es ihnen schon verdenken, mit anzupacken, wenn Freunde und Verwandte ihr Eigenheim bauen. Ein Neubau verschlingt schließlich auf Jahre hinaus das gesamte Vermögen ihrer Eigentümer. Drum spart, wer kann. Am liebsten dort, wo es sich am meisten lohnt: bei den Löhnen. Nach Risiken und Nebenwirkungen jener Wochenendaktionen fragt indes niemand und doch ahnen wir es: Richtig gesund können sie nicht sein. Gehen doch alle Beteiligten ein beachtliches Risiko ein. Offiziell erwischt zu werden, ist dabei noch das geringste Übel. Die Wahrscheinlichkeit, dass Gewerbeaufsichtsbeamte am Wochenende private Neubauten nach Schwarzarbeitern durchforsten, ist so gut wie nicht gegeben. Der Staat hat kein Interesse an diesen kleinen Fischen. Viel schwerer wiegen fehlende Garantien nach VBO. Wen will der Bauherr schon belangen, für Gewerke die er nicht in Auftrag gegeben und schon gar nicht ordentlich bezahlt hat.

Auch der Handwerker kann sich nicht wirklich über seine vermeintlich guten Nebengeschäfte freuen. Verliert er doch mit einem Schlag seine beste und preiswerteste Werbemöglichkeit: Referenzen, die auf Jahre hinaus für ihn sprechen. Schwarzarbeit spricht eine ganz andere Sprache: Sie ist unkollegial und unsozial.

Bleibt noch das Risiko eines Arbeitsunfalls. Keine Berufsgenossenschaft tritt dafür ein: Wer sich in seiner Freizeit auf Baustellen verdingt, trägt selbst die Kosten. Für alles was kommt – inklusive Ausfallzeiten, dauern sie noch so lange.

Montag, 10 Uhr morgens. Ganz still ist’s geworden in unserer Neubausiedlung. Nur an einer Baustelle herrscht Hochbetrieb. Es ist einer der großen Fertighausbauer, der jeden Bauabschnitt im Voraus plant und aufs Kleinste dokumentiert. Sicherheit: eine kalkulierte Größe - für alle Seiten. Doch davon sehen und merken unsere fleißigen Wochenendhandwerker schon lange nichts mehr. Sie sitzen müde in der Arbeitsagentur und warten auf einen Arbeitsplatz. Gut bezahlt und mit geregelter Freizeit soll er sein. Denn freitags um drei trifft man sich wieder: in der Neubausiedlung am Rande der Stadt.